Geologischer Lehrpfad Wittichen

Diese Exkursion führt über den geologischen Lehrpfad rings um das ehemalige Kloster Wittichen. Hier wurde im ausgehenden Mittelalter, verstärkt noch in der Neuzeit (zwischen 1720 und 1845) intensiver Bergbau auf Silber und Kobalt betrieben, der viele, heute noch sichtbaren Spuren hinterlassen hat.

Geologisch befinden wir uns im Grundgebirge des Mittleren Schwarzwalds, hier vor allem vertreten durch Granite, in denen die Erzgänge aufsitzen. An mehreren Stellen sieht man Gesteine des Deckgebirges (Buntsandstein und Gesteine des Rotliegenden), die im Bereich von Verwerfungen den Granit überlagern.

Auf dieser Exkursion soll allerdings nicht nur der geologisch Interessierte auf seine Kosten kommen, auch der Mineraliensammler kann hier einige schöne Belegstückchen mitnehmen: Die beiden großen Halden, die am Lehrpfad liegen, enthalten noch eine ganze Menge von Mineralien, die beim früheren Abbau mit dem tauben Gestein abgelagert wurden. Insbesondere Uranmineralien – das Uran wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts von Pierre u. Marie Curie entdeckt – waren damals nutzlos und finden sich daher noch häufig im Haldenmaterial (wir nehmen dazu natürlich einen Geigerzähler mit!).

Tagesexkursion: Ca. 7 km Länge, je nach Wandergeschwindigkeit und Verweildauer bei den Stationen oder auf den Halden 4 – 6 Stunden mehrere, z. T. auch längere Steigungen

Quelle: Erlebnis Erdgeschichte

Zugang in den alten Silberstollen

Die Gemeinde Schenkenzell will sich an dem Projekt »Bergbauregion Schwarzwald«, das von der Leader-Aktionsgruppe »Mittlerer Schwarzwald« geplant wird, beteiligen. Dadurch wäre es möglich, einen alten Stollen in Wittichen zur Besichtigung für Bes

Schenkenzell. Der Mittlere Schwarzwald ist geologisch und bergbaulich unbestritten eine der interessantesten Regionen in Deutschland. Dies führte in der Vergangenheit in vielen Orten zu konzentrierten Bergbautätigkeiten, ganz besonders jedoch im abgelegenen Wittichertal.
Zwischen Haslach und Schenkenzell finden sich viele historische Bergwerke, welche erst zum kleinen Teil als Besuchermagneten erschlossen sind. Mit dem Leader-Projekt »Bergbauregion« könnte dieses kulturelle Erbe besser erhalten und gleichzeitig die touristische Attraktivität gesteigert werden.
Schenkenzells Bürgermeister Thomas Schenk sieht im Rahmen des Projekts die einmalige Chance, den vorhandenen geologischen Lehrpfad in Wittichen samt dem wohl bedeutendsten Silberstollen im gesamten Kinzigtal neu zu gestalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Allerdings muss die Kommune dann für die Sicherheit gerade stehen. Grundsätzlich sind sich der Rathauschef und die Schenkenzeller Gemeinderäte darin einig.
Schautafeln am Lehrpfad
Der geologische Lehrpfad Wittichen ist etwas über sechs Kilometer lang. Start und Ziel liegen bei der Klosterkirche in Wittichen. Entlang des Pfades werden auf Schautafeln die verschiedenen Gesteinsformationen dargestellt und erläutert. In den dort vorhandenen vier Abräumhalden können Liebhaber mit etwas Glück heute noch Mineralien finden. Der höchste Punkt des Pfades liegt bei 604 Metern, der tiefste bei 458 Metern über Normalnull. Dass sich in punkto Attraktivität des Pfades für die Besucher noch einiges machen lässt ist unbestritten.
Zunächst bekundet die Gemeinde nun das Interesse an dieser Aktion und die Bereitschaft, an einer Konzeption der Leader-Aktionsgruppe mitzuarbeiten, bei der die Vorschläge der Gemeinden berücksichtigt werden. Die Umsetzungsphase ist frühestens für 2010 geplant, die dann wiederum von den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln abhängt.

Autor:
Lothar Herzog

 

Silber und Kobalt – Die Geschichte des Bergbaus in Schenkenzell und Umgebung

Die Gemeinde Kaltbrunn-Wittichen hat in der Geschichte des Schwarzwälder Bergbaues eine besondere Bedeutung erlangt durch die zum Teil recht beachtlichen Silber- und Kobaltvorkommen sowie durch das Blaufarbenwerk, das seine Erzeugnisse über die Grenzen Deutschlands hinaus in verschiedene europäische Länder exportierte.

Erster Nachweis

Wann der Bergbau im Witticher Revier begonnen hat, lässt sich wohl nicht mehr mit Bestimmtheit feststellen. Zeugnisse aus dem Mittelalter fehlen.

Den ersten sicheren Nachweis für die Eröffnung von Gruben gibt eine Urkunde aus dem Jahr 1517. Die von den Bergarbeitern benötigten Lebensmittel durften zollfrei eingeführt werden. Die Befreiung von Zoll und sonstigen Abgaben entsprach den auch andernorts üblichen Privilegien, mit denen man dem Bergbau eine Ausnahmestellung einräumte.

Außer dieser Belehnung von 1517 sind uns über den Bergbau in Wittichen für das 16. und 17. Jahrhundert keine weiteren Nachrichten überkommen. Wahrscheinlich hat der reiche Silberimport aus den neu entdeckten spanischen Kolonien in Südamerika nach Europa wie an vielen Stellen, so auch im Kinzigtal, die Gruben gegen Ende des 16. Jahrhunderts zum Erliegen gebracht, da sich der Abbau nicht mehr rentierte. Dann behinderte der Dreißigjährige Krieg den Handel und das Gewerbe.

Neuer Auftrieb im 18. Jahrhundert

Im benachbarten Rippoldsau nahm man um 1649 die Schürfversuche nach Kupfererz auf; im Gebiet von Wittichen kam der Bergbau erst Anfang des
18. Jahrhunderts wieder in Gang.

Die Anregung dazu gab Fürst Anton Egon von Fürstenberg. Anton Egon empfahl seinen Verwandten, die alten Bergwerke im Kinzigtal, die zum Besitz des Hauses Fürstenberg gehörten, durch sächsische Bergbau-Fachleute auf Erzvorkommen untersuchen zu lassen. Die Visitatoren meinten, dass im Kinzigtal „noch gute bergmännische Hoffnungen bestünden“. Am so genannten Silberberg bei Wittichen, so steht im erhaltenen Gutachten zu lesen, sei die Rute „auf weißgülten Erz“ angeschlagen. Die sächsichen Bergleute fanden einen eingebrochenen Stollen. Sie schlossen daraus, dass in Wittichen vor längerer Zeit ein Silberbergwerk bestanden habe.

Silber und Kobalt

Auf den Halden in Wittichen fand man damals schöne Kobaltstufen, woraus man die blaue Farbe machte. Dies war den Bergleuten lieber als Silbererz. Denn Kobalt leidet große Zusätze zum Schmelzen und vermehrt sich sehr, das Silber aber, bis es geläutert wird, ist weniger. Daraus schlossen die Bergleute, dass ein Farbwerk mehr Profit werde abwerfen als Silbererz. Warum aber auf den Halden große Kobaltstufen gefunden, ist dies die Ursache, dass die Alten noch nicht gewusst, was Kobalt ist …

Das Blaufarbenwerk

Nachdem Anton Fischer und seine Nürnberger Mitgewerken das Monopol für den Kobaltabbau erhalten hatten, errichteten sie bei Wittichen ein Blaufarbenwerk. Nach den Angaben Mayers des Älteren sollen die Unkosten 6000 Gulden betragen haben.

Die Farbmühle erwies sich jedoch als Fehlkonstruktion. Es gelang nicht, brauchbare Kobaltfarben herzustellen. Man beschloss deshalb, den Meister Sigwarth von den Gengenbacher Glashütten heimlich nach Sachsen in die dortigen Farbwerke zu schicken, um deren Fabrikationsmethode auszuspionieren. Sigwarth erfüllte seinen Auftrag mit großem Geschick, und mit seinen in Sachsen gewonnenen Erfahrungen wurde unterhalb von Wittichen eine neue Farbmühle gebaut. Nun konnte endlich mit der Produktion von Kobaltfarben begonnen werden. Um den aus anderen Ländern, vor allem aus Sachsen, zugezogenen Bergleuten eine Unterkunft zu verschaffen, wurde in Wittichen das Zechenhaus erbaut.

Missstände auf den Gruben

Die Missstände auf den Gruben hatten zur Folge, dass die fürstenbergische Verwaltung der Gewerkschaft das Vorrecht, allein Kobalterze abzubauen, entzog. Sie behielt aber das Vorkaufsrecht auf das geschürfte Kobalterz. Nachdem so der Kobaltabbau freigegeben war, eröffneten Straßburger Bürger die Grube Daniel im Gallenbach, südlich von Wittichen. Im Jahr 1708 wurden die Gruben im Auftrag der Landesregierung von einem Herrn von Windheim visitiert. Dieser gab in seinem Gutachten seinem Befremden darüber Ausdruck, dass eine Angelegenheit von so großer Bedeutung wie der Kinzigtäler Bergbau so nachlässig betrieben wurde. Windheim vermisste vor allem genauere Rechnungsunterlagen. In den fürstenbergischen Bergwerksakten lässt sich feststellen, dass das Witticher Werk im Jahr 1709 = 1153 Gulden, im Jahr 1710 = 4821 Gulden Gewinn abwarf. In den folgenden Jahren verschlechterten sich die Verhältnisse.

Der Vertreter der Nürnberger, David Wölper aus Freudenstadt, musste aus eigener Tasche zusetzen. Erst 1718 zeigte sich wieder ein Hoffnungsschimmer. Als die Bergknappen einen alten Schacht auf dem Silberberg säuberten, stießen sie auf einen Anbruch von 41 Pfund gediegenem Silbers. Dieser überraschende Fund führte zur Gründung einer neuen Gewerkschaft, die den Namen des Landesherren, „Joseph“ erhielt. Die Gesellschafter waren im Wesentlichen die gleichen wie bei der „Gnade-Gottes-Zeche“. Deshalb verschmolzen sich die beiden Zechen drei Jahre später unter dem Namen „Joseph“ zu einer Gewerkschaft. Doch auch diese Maßnahmen retteten den Bergbau und das Farbwerk nicht vor dem finanziellen Zusammenbruch.

Das Handelshaus Doertenbach

In dieser verzweifelten Situation kam rettende Hilfe durch das Calwer Handelshaus Doertenbach, das nun als Geldgeber einsprang. Die Doertenbachs waren Mitglieder der berühmten „Calwer Compagnie“, die seit 1622 einen ausgedehnten Tuchhandel betrieb und damit zu einem bedeutenden Unternehmen Süddeutschlands aufgestiegen war.

Nach und nach übernahm die Familie Doertenbach von dem bisherigen Geschäftsführer Wölper dessen Anteile. Als Moses Doertenbach die Mehrheit der Kuxe besaß, bat er um Verleihung der Witticher Gruben und des Farbwerks, die ihm 1721 von der fürstenbergischen Regierung gewährt wurden. Bemerkenswert bei dieser Angelegenheit war, dass nun statt der Bürger der alten Reichs- und Handelsstadt Nürnberg Kaufleute aus dem württembergischen Herzogtum als Geldgeber auftraten, in erster Linie die Angehörigen der Calwer Compagnie. Moses Doertenbach benutzte nämlich die weitverzweigten Verkaufsstellen des Calwer Handeshauses, um die im Witticher Farbenwerk hergestellten Kobaltfarben in den verschiedenen europäischen Ländern zu verkaufen.

21 Werke im Betrieb

Moses Doertenbach und seine neuen Mitgewerken entfalteten in ihrem neuen Arbeitsbereich in Wittichen eine große Aktivität. Verschiedene Gruben wurden wieder aufgenommen oder neue Stollen vorangetrieben, so dass sich 1725 21 Werke in Betrieb befanden, darunter in und bei Wittichen:

  • Gnade Gottes und St. Joseph
  • Sophia zum Ludwig
  • Bergmännisch Glück im Gallenbach
  • St. Antoni in Kaltbrunn
  • Güte Gottes bei Wittichen
  • Gabe Gottes im Gallenbach
  • Bergmännisch Herz bei Wittichen
  • Hilfe Gottes
  • Erzengel Michael

Allerdings handelte es sich meist nur um Schürfungen, die bald ohne Ergebnis wieder aufgegeben wurden. Einen Überschuss konnte in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts nur die St. Josephs-Zeche erzielen. Die „Güte Gottes“ deckte nur einen Teil ihrer Unkosten. Sophia zum Ludwig brachten es 1725 auf wenige Kübel Kobalterz. Die übrigen Gruben hatten 1725 überhaupt keinen Ertrag zu verzeichnen und erhielten sich nur durch fortlaufende Zuschüsse. Die „Zubußboten“, die die neuen Gelder für Gruben einkassieren mussten oder bei Überschuss den Gewinn auszahlen konnten, schwindelten den vertrauensseligen Leuten etwas von zu erwartenden Silber- und Kobaltanbrüchen vor und verkauften viele Anteile (Kuxe) von verlustreichen Gruben, die nie auf Erze stießen. Diese so genannte Kuxkränzelei schadete auf Dauer dem Ansehen des Kinzigtäler Bergbaues sehr und erschwerte zeitweise den Verkauf neuer Kuxe. Den größten Überschuss warf das Blaufarbenwerk bei Wittichen ab. Neben den Niederlassungen in Deutschland unterhielt die neu gegründete Farbenverkaufsgesellschaft Lager in London, Venedig und Mailand.

Handel mit Holland

In den Akten des Fürstlich Fürstenbergischen Archivs lässt sich der Handel mit Holland belegen. Aus dem Jahr 1724 ist eine Abrechnung erhalten, aus der wir entnehmen können, dass das Witticher Blaufarbenwerk 118 Fässchen Kobaltfarben an die Herren Lohoff und Ploost van Amstel nach Amsterdam sandte und dafür abzüglich der Provision und Transportkosten bis Köln, 5461 Gulden bekam. Die Blaufarben benötigen die Holländer für ihre Blechnereien. Zum Teil wurden die Farben auch weiter nach England verkauft. Die Vermutung liegt nahe, dass das berühmte Delfter Porzellan zeitweise mit Farben aus Wittichen bemalt worden ist, doch haben sich hierfür bisher keine urkundlichen Belege finden lassen. Die Gewinne der Witticher Farbenmühle hielten das Interesse am Bergbau wach und ermöglichten es der Firma Doertenbach, immer wieder neue Schürfungen zu finanzieren. 1729 trafen die Häuser von St. Joseph auf einen Anbruch, aus dem 250 Pfund gediegenes Silber gewonnen werden konnte. Dieser überraschende Fund veranlasste die Gewerkschaft, einen „Ausbeutetaler“ prägen zu lassen.

Bergordnung von 1732

Da sich das Haus Doertenbach so unermüdlich um den Kinzigtäler Bergbau bemühte, hatte Fürst Joseph Wilhelm Ernst von Fürstenberg keine Bedenken, 1732 das Privileg für die Calwer Gerwerkschaft zu erneuern, da der Vertrag von 1721 abgelaufen war. Der Landesherr nahm die Bestätigung der Rechte zum Anlass, eine allgemeine Bergordnung zu erlassen. In der Präambel zollte der Landesherr dem Fleiß und der Sorgfalt, mit denen die Firma Doertenbach die Gruben und die Farbmühle seit 1721 wieder hochgebracht hatte, besondere Anerkennung und bestätigte sie in den bisherigen „Bergfreiheiten“.

Sophiagang eine der ertragreichsten Gruben

1736 stieß man vom St. Joseph-Stollen auf den so genannten Sophiagang. Die Bergknappen schlugen bald darauf erhebliche Mengen von gediegenem Silber und Kobalt heraus. Die neue Sophiagrube entwickelte sich bald zu der bedeutendsten und ertragreichsten Grube des Kinzigtals. Besonders in den vierziger Jahren konnte sie einen beachtlichen Gewinn verzeichnen.

In den Jahren zwischen 1750 und 1760 waren die Erträge der Gruben im Kinzigtäler Gebiet gering. Es gelang nicht, neue Bergbauinteressenten zu finden, so dass die Grubenverwaltungen in finanzielle Schwierigkeiten gerieten. In dieser misslichen Lage war es wieder die Grube Sophia, die mit frischen Silberanbrüchen den Gewerken noch einmal Mut machte. Weiteres reiches Silbervorkommen führte erneut zur Prägung eines „Ausbeutetalers“. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts lief die neu eröffnete Grube St. Wenzel im Fronbach den Witticher Zechen den Rang ab. Die Förderung im Witticher Revier ließ ständig nach. Da 1765 keine Gewinnanteile mehr ausgeschüttet wurden, verloren die Gewerken die Lust, weiterhin zuzuschießen. Das Haus Doertenbach hatte nach und nach die meisten der in seinem Besitz befindlichen Kuxe verkauft.

Kobalt aus Spanien

Schon seit 1740 reichten die Vorkommen der Witticher Gruben an Kobalterz nicht mehr aus, um den Bedarf des Blaufarbenwerkes zu decken, das immer noch einen beachtlichen Export zu verzeichnen hatte. Deshalb schloss Moses Doertenbach mit der französischen Firma Boyer und L’empereur einen Liefervertrag. Dieses Unternehmen bezog seinerzeit den Kobalt aus Spanien. Im Jahr 1742 wollten die Holländer den alten Kontrakt nicht mehr erneuern. Sie machten geltend, dass die kursächsischen Kobaltfarben wesentlich billiger angeboten würden. Die Mitgesellschafter der Farbmühle sahen sich gezwungen, trotz der ungünstigen Bestimmungen den Forderungen der Holländer nachzugeben, um den Absatz für die nächsten Jahre zu sichern.

Dem Witticher Farbwerk entstand in der 1750 von dem Gengenbacher Abt in Nordrach gegründeten Farbmühle eine unangenehme Konkurrenz. Ein Teil der Brennöfen wurde deshalb in Wittichen stillgelegt. Da seit 1751 die spanischen Kobaltlieferungen nachließen, mussten erneut andere Bezugsquellen erschlossen werden. Fortan wurde böhmischer Kobalt aus Joachimsthal bezogen, obwohl dessen Qualität zu wünschen übrig lies. Auch das Siegerland lieferte den wichtigen Rohstoff. Trotz des langen Transportweges wurde auch aus England Kobalt importiert. Weitere Bezugsquellen waren Piemont und die Steiermark. Alle diese Maßnahmen konnten jedoch nicht verhindern, dass das Witticher Farbwerk immer mehr Defizit aufwies. Bald verzeichneten die Rechnungsbücher 10.000 Gulden Schulden.

Niedergang und Ende des Witticher Bergbaues

1816 fielen die einst so berühmte „Sophia“ und die „Güte Gottes“ ins Freie. Nach sechsundsiebzig-jähriger ununterbrochener Tätigkeit musste der Abbau auf der „Sophia“ eingestellt werden. Während der Betriebszeit von 1725 bis 1816 konnten 22.387 Mark Silber sowie 2.553 Zentner Kobalterz ausgebracht werden. Beides zusammen ergab einen Erlös von 555.663 Gulden. Diese Zahlen weisen die „Sophia“ als ertragreichste Grube im Witticher Revier aus. Trotz der ungünstigen Verhältnisse gab das Haus Doertenbach den Bergbau nicht auf. 1826 bildete sich der „Kinzigtäler Bergwerksverein“, der noch einmal sein Glück mit den alten Gruben versuchte. Um eine breitere Kapitalgrundlage zu haben, vereinigte sich der „Kinzigtäler Bergwerksverein“ 1834 mit anderen Grubengesellschaften des Schwarzwaldes zum „Badischen Bergwerksverein“. Im Jahr 1837 sah sich die Firma Doertenbach gezwungen, die alte Farbmühle in Wittichen zu verkaufen, die sie über mehr als hundert Jahre mit zum Teil recht beachtlichem Erfolg betrieben hatte. Die Erfindung und Produktion der neuen künstlichen Ultramarinfarben bedeuteten eine so starke Konkurrenz, dass sich die Herstellung von Blaufarben aus Kobalterz nicht mehr lohnte. In der Mitte des 19. Jahrhunderts zog sich die Familie Doertenbach ganz aus dem Bergbau zurück und verkaufte ihre Grubenrechte an die neu gegründete „Kinzigthal-Mining-Association“. Diese Aktiengesellschaft unternahm noch einmal verschiedene Schürfversuche. Unter anderem wurde die altehrwürdige „Sophia“ unter dem Namen „Wheal Capper“ aufgenommen. Als Nachlese wurden noch einmal 983 Pfund gediegenem Silber und 132 Zentner Kobalt gewonnen. Diese Arbeiten mussten jedoch bereits 1856 wieder eingestellt werden. Mit dem Auflassen der Grube „Sophia“ endet die Geschichte des Bergbaues im Gebiet von Wittichen. 1935 bis 1939 hat die Mineralogische Studiengesellschaft verschiedene Witticher Gruben aufgewältigt und die Abbauwürdigkeit der Erzgänge im Rahmen des Vierjahresplanes untersucht. Doch kam es nicht zu einem Abbau in größerem Maße. Nach dem zweiten Weltkrieg hat das Vorkommen von uranhaltigen Erzen auf den Halden Aufsehen erregt. Eingehende Untersuchungen wurden von Professor Kirchheimer vom Geologischen Landesamt durchgeführt.

Zum Abschluss soll das Urteil eines Bergbaufachmannes aus dem 19. Jahrhundert erwähnt werden, der davon spricht, dass das Obere Kinzigtal durch seine unterirdischen Reichtümer ehemals den Ruf eines kleinen Peru in der großen bergmännischen Welt erworben habe. Man darf behaupten, dass die Witticher Gruben zu diesem Ruhm in starkem Maße beigetragen haben.

Heute sind noch Zeugen der alten Vergangenheit im KLOSTERMUSEUM WITTICHEN ausgestellt. Des Weiteren finden Liebhaber eine sehenswerte Mineraliensammlung in der Bergmannsstube im Gasthaus Martinshof in Kaltbrunn. In der Nähe der Klosterkirche Wittichen ist der Ausgangspunkt für den ca. 7 km langen GEOLOGISCHEN LEHRPFAD. Hier werden auf Schautafeln die verschiedenen Gesteinsformationen dargestellt und erläutert. In den dort vorhandenen 4 Abräumhalden können Liebhaber mit etwas Glück heute noch Mineralien finden.

25 Jahre Geowissenschaftliches Gemeinschaftsobservatorium der Universitäten Karlsruhe und Stuttgart

Ein tiefer Blick unter die Erde

Das Ziel des Observatoriums ist die Erfassung und Analyse von Deformationen des Erdkörpers, von zeitlichen Änderungen des Erdschwerefeldes und von zeitlichen Änderungen des Erdmagnetfeldes in einem großen Periodenbereich (0,01 s bis zu Jahre). Die wichtigsten Signale sind:

  • die durch Nahbeben verursachten kurzperiodioschen Raumwellen
    (bis 40 Hz),
  • die langperiodischen Raum- und Oberflächenwellen von Fernbeben,
  • die Eigenschwingungen der Erde, die durch starke Erdbeben angeregt werden,
  • die extrem langperiodischen zeitlichen Schwereänderungen und Deformationen durch Erdgezeiten, die durch differentielle Gravitationen von Sonne und Mond verursacht werden (Periodenbereich 12 h bis Jahre)
  • die breitbandigen Deformationen der Erde durch
    andere Ursachen, z.B. Luftdruckschwankungen,
  • und die breitbandigen Variationen des Erdmagnetfeldes.

Neben der routinemäßigen Datenaufzeichnung mit hoher Qualität dient das Observatorium auch als Experimentier- und Forschungseinrichtung für neue Instrumente und Methoden. Seit 1972 betreiben die Universitäten Karlsruhe und Stuttgart gemeinsam ein geowissenschaftliches Observatorium in einem alten, stillgelegten Silberbergwerk im Heubachtal bei Schenkenzell. Mit diesem Observatorium hat das Land Baden-Württemberg ein in der Bundesrepublik einmaliges Beispiel einer interuniversitären und interdisziplinären Zusammenarbeit erbracht, arbeiten doch hier die geodätischen und geophysikalischen Institute zweier Universitäten seit über eineinhalb Jahrzehnten eng zusammen. Diese Zusammenarbeit hat bis heute reibungsfrei funktioniert und ihre Früchte in etwa 100 Publikationen unter Beteiligung von Mitarbeitern des Observatoriums erbracht.

Nicht zuletzt deshalb sowie aufgrund der hier gebotenen ausgezeichneten Bedingungen für geowissenschaftliche Beobachtungen, genießt das Observatorium hohes Ansehen auf nationaler und internationaler Ebene und es ist in mehrere, auch internationale, Beobachtungsnetze integriert. Die Leitung des Observatoriums liegt in den Händen von Prof Dr. H. Mälzer, Karlsruhe.

Quelle: Gemeinde Schenkenzell