Bühlertal: Gertelbachwasserfälle

Quelle: Thomas Huth: Erlebnis Geologie, LGRB 2002; Wikipedia

Der Gertelbach, dessen Schlucht zu den malerischsten und wildromantischsten Schluchten des Mittleren Schwarzwalds gehört, entspringt in einem Quellhorizont zwischen dem unteren Buntsandstein und dem Bühlertal-Granit wenig westlich der Schwarzwaldhochstraße und mündet ca. 2,5 km weiter in den Wiedenbach südöstlich von Bühlertal, Ortsteil Obertal. Auf dieser relativ kurzen Strecke muss der Gertelbach ein Gefälle von 350 m überwinden. Besonders steil ist sein unteres Drittel, etwa zwischen Schwellmannsbrücke und Mündung, wo er auf einer Strecke von knapp über einem Kilometer über 250 Höhenmeter herabfällt.

Der Gertelbach stürzt über mehrstufige Wasserfälle talwärts, wobei die einzelnen Fallstufen bis 7 m hoch sein können. Die steilsten Seitenwände der Schlucht sind mit großen gerundeten Blöcken aus dem hier anstehenden Bühlertalgranit überdeckt, die allerdings von den Baumwurzeln festgehalten werden. Die Schlucht weist eine wechselnde Breite von nur 5 m bis 20 m  auf, zur Mündung weitet sie sich auf rund 40 m.

Die Steilstufe ist wahrscheinlich zusammen mit der kesselartigen Talform unterhalb während Phasen stärkster Vergletscherung älterer Eiszeiten geformt worden. Die einzelnen Kaskaden gehen dagegen erkennbar auf das Kluftnetz im Bühlertalgranit zurück. Die Blöcke weisen den typischen Formenschatz der Wollsackverwitterung auf. Einige Kaskaden sind an den im Schluchtgrund angesammelten, abgerundeten Granitblöcken entstanden. Sie sind in den fast vegetationslosen Eiszeitphasen hangabwärts gerutscht.

Auch heute werden bei Starkregen oder während der Schneeschmelze kleine und mittelgroße Blöcke weiter verfrachtet, was den Bach immer wieder zwingt, sich neue Wege über die Brocken oder darunter hindurch zu suchen. Es sind jedoch nicht nur die gigantischen Blöcke, die die Schlucht prägen, auch Felsen wurden von der Erosion freigestellt und ragen in der Schlucht auf. Der etwa 10 m hohe “Emilienfelsen” im unteren Bereich der Schlucht ist wohl der größte  davon, der auch die typische Verwitterungsform des Bühlertalgranits, entlang von Klüften zeigt die Wollsackverwitterung.

Der Weg durch die Schlucht endet schließlich bei der Schwellmannsbrücke, deren Namen auf die Flößerei vergangener Jahrhunderte zurückgeht, als der Wiedenbach und seine Nebenbäche aufgestaut wurden, um im entscheidenen Augenblick für die Scheitholzflößerei genügend Wasser (Schwall) zur Verfügung zu haben. Die Gertelbachschlucht ist als Naturdenkmal geschützt.

Bei dem geschützten Schonwald entlang der Gertelbachschlucht handelt es sich um einen Plenterwald, bei dem auf kleinster Fläche Bäume unterschiedlichster Dimensionen gemischt vorhanden sind. Der Mischwald entlang des Gertelbachs ist geprägt von Weißtannen, Fichten, Rotbuchen, Bergahorn und Eschen. Entlang des naturnahen Bergbaches wachsen Pflanzen, die von der hohen Luftfeuchtigkeit und den kühlen Temperaturen in der Schlucht profitieren, z.B. Wurmfarn, Rippenfarn und Tüpfelfarn.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Gertelbach für die Scheiterholz-Flößerei genutzt. Dazu wurde das Wasser künstlich aufgestaut (sogenannte “Schwallung”) und in einem “Schwall” abgelassen, um so das Brennholz in das Tal zu schwemmen, wo es am sogenannten “Holzfang” im heutigen Bühler Stadtgarten wieder aus dem Wasser herausgefischt und verkauft wurde. Die früher als Gertelbachschlucht bekannten Fälle waren wegen ihrer Nähe zu Baden-Baden bereits früh, und stärker als heute, ein prominentes touristisches Ziel.

Der heutige Wanderpfad wurde 1889 durch den Verschönerungsverein Bühl und die Badische Forstverwaltung angelegt, wobei eine Vielzahl von in den Fels gehauenen Wegen und Stufen entstanden. Vor der Erneuerung überquerte er die Fälle zunächst an fast jedem szenischen Höhepunkt und nahm sie damit optisch sehr in Beschlag. Der Weg wurde 1950 vom Schwarzwaldverein erneuert und seitdem auch ständig unterhalten.

Beim früheren Hotel nahe am Zusammenfluss mit dem Wiedenbach liegt zwischen Granitblöcken nahe am Bach ein Rastplatz mit Laube, ebenso unterhalb der Hauptfälle.