Hoch über Baden-Baden erhebt sich der Große Staufenberg, besser bekannt als Merkur-Gipfel. Denn dort oben findet man eine alte Steinplatte mit dem Abbild des römischen  Schutzgottes der Händler und – man höre und staune – der Diebe. Außerdem fungiert er als Götterbote und wird als solcher mit winzigen Flügeln an den Füßen dargestellt. Diese Größe genügt heutzutage den Gleitschirmfliegern nicht mehr, die unweit des Mercurius starten und den Gipfel bei günstigen Wetterbedingungen stundenlang umkreisen. Und von den Besuchern des Restaurants bewundert werden, die mit der Merkur-Bahn zum Gipfel hochgefahren sind.

Seit Juni 2012 gibt es außer der berauschenden Aussicht auf die Bäderstadt, das Rheintal und das Murgtal, die Pfälzer- und Elsässischen Berge noch einen weiteren Anziehungspunkt dort oben. Am Abend des 21. Juni 2012 eröffnete Baden-Badens Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner rund um den dortigen Aussichtsturm die Dauerausstellung »Merkurs Würfel – eine geologische Zeitreise durch Baden-Baden «. Diese sechs »Würfel« auf dem Vorplatz des Merkurturms erwecken tatsächlich den Eindruck, als seien sie mit roher Gewalt in den Boden gerammt worden.

Und sie bestehen alle aus Gesteinsarten, die in der Umgebung von Baden-Baden anzutreffen sind. Einer der Würfel ist aus Biotit-Hornblend-Granit, der vor etwa 330 Mio Jahren entstand und im Straßen- und Wegebau in Form von Splitt verwendet wird.Einen anderen Würfel soll der Gott Mercurius aus einer Art Beton gefertigt haben – bestehend aus Kies und Sand, geformt vom fließenden Wasser des Rheins. Bis zu 100 m dick sind die Kiesschichten im Oberrheingraben, wie der interessierte Besucher auf den Hinweistafeln erfährt. Übrigens haben die alten Römer, die ja bekanntlich Baden-Baden gegründet haben, bereits vor 2000 Jahren eine Art Beton gekannt mit Kalk als Bindemittel. Der dritte Block besteht aus Gneis, der vor 440 bis 750 Mio. Jahren entstanden ist. Nur halb so alt ist der Muschelkalk, der von pflanzlichen und tierischen Lebewesen aus dem Wasser gebildet wurde, als die Gegend um Baden-Baden noch von einem flachen Meer bedeckt war. Aus ihm wurde der vierte Würfel geformt. Der fünfte entstand aus Jurakalk, von dem es in der Umgebung von Baden-Baden allerdings nur noch Reste gibt. Muschelkalk und der 142 bis 200Mio. Jahre »junge« Jurakalk sind bekanntlich wichtige Gesteinssorten für die Natursteinindustrie. Der sechste Block besteht aus dem ältesten Granit der Region, dem Friesenberg-Granit, der vor etwa 330 Mio. Jahren entstanden ist. Einige Millionen Jahre jünger sind die Granite in der Umgebung von Raumünzach, Bühlertal und Forbach.

Neun weitere beeindruckende Gesteinsbrocken sind auf dem Weg von der Bergstation der Merkur-Bahn zum Aussichtsturm und dem Rondell mit den sechs bearbeiteten Steinwürfeln aufgestellt und mit erläuternden Schildern versehen. So kann sich der Besucher über Kugelsandstein, Friesenberg-Granit, Augengneis, Altpaläozoischen Schiefer, Uralit-Monzonit-Porphyr, Buntsandstein, Ignimbrit, Rhyolith und Porphyrfanglomerat informieren.

Projektträger des Geologiepfads war das Forstamt der Stadt Baden-Baden. Es dauerte einige Zeit, bis genug Sponsoren für die Umsetzung der Idee gefunden waren; die Kosten beliefen sich auf 100000 €. Fördergelder in Höhe von 70000 € stiftete der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. Zu den Förderern des Projekts gehören auch der Industrieverband Steine und Erden (ISTE) sowie eine ganze Reihe von Kies- und Beton-, Naturstein-und Schotterwerken. Planer des Geologiepfads war Bernd Schuler aus Stuttgart, zu dessen Referenzen auch der Luchspfad und der Wildnispfad an der Schwarzwaldhochstraße zählen. Wolfgang Kohler, ein leidenschaftlicher Geologie-Fan und früherer städtischer Angestellter, hat die vorgestellten Baden-Badener Gesteine ehrenamtlich ausgewählt und auch beim Entwurf der Texte mitgewirkt.

Text: Manfred Fieting

Flyer „Rundumblick vom Merkurturm“

Flyer „Merkurs Würfel“

Flyer „Gesteine vor Ort erleben“