Badenweiler_Infopavillon

Badenweiler blickt auf eine lange Bergbautradition zurück. Viele Namen von Wegen und Plätzen, wie Alter Mann (= verlassener Stollen), Gipsgrubenweg oder Bergmannsruhe erinnern heute noch an diese Zeit. Nach Meinung von Experten hat der Bergbau bei Badenweiler zu keltischer Zeit begonnen. Im Laufe der Zeit wurde Blei, Silber und Eisenerz abgebaut. Der Abbau von Gips wurde bis in die 1960er Jahre betrieben.

Das reiche Erzvorkommen in der Region basiert auf dem Einbruch des Oberrheingrabens, der sich im Tertiär zwischen Schwarzwald und Vogesen vollzogen hat. Das an den Bruchstufen der stärksten Bewegung, der sog. „Hauptverwerfung“, entstandene Quarzriff erstreckt sich mit seinen dabei aufgerissenen Spaltungshohlräumen und Erzgängen als ein Hartgesteinsrippe deutlich sichtbar im Gelände von Sulzburg über Badenweiler bis nach Schloss Bürgeln.

Informationen zur Geologie des Reviers Badenweiler erhalten Sie HIER.

Der „Geologische und bergbaugeschichtliche Wanderweg Badenweiler-Sehringen“, dessen Start und Ziel der Info-Pavillon (Parkplatz) an der L 123 (Sehringer Straße) ist, oder am Inhalatorium in der Luisenstraße (gegenüber vom Rathaus), führt auf eine Länge von 5,6 km über schöne ruhige Waldwege, wo die Spuren des ehemaligen Bergbaus noch deutlich sichtbar sind. Am Info-Pavillon kann man sich anhand einer Übersichtstafel über den Verlauf der verschiedenen Wegvarianten sowie die Standpunkte der Stollen informieren.

Interessante Exponate in den dortigen Schauvitrinen sowie weitere 31 Schautafeln am Weg mit seinen insgesamt 25 Stationen geben wertvolle Einblicke u.a. zur Historie, zur Geologie und Geomorphologie der Badenweiler Bergbauregion.

Start: Zugang ab Badenweiler Inhalatorium (gegenüber Rathaus) oder ab Sehringer Str., Infopavillon (Parkplatz)
Strecke: 5,6 km
Wegenetz: Zugang, Badenweiler (0,5 km), kleine Runde (2,5 km), Hauptweg (4,6 km), Erweiterung A (1 km) und Erweiterung B.

Die Wege sind mit dem Kinderwagen befahrbar, aber nicht rollstuhlgeeignet.

Einkehrmöglichkeiten: Landgasthof Grüner Baum/ Sehringen; Café Mondweide/ Sehringen; Cafeteria Reha-Klinik Hausbaden; Gastronomie in Badenweiler.

Geführte Wanderung „Auf den Spuren der Bergleute“
Die Badenweiler Thermen und Touristik GmbH bietet zu folgenden Terminen auch geführte Touren auf diesem Themenpfad an.
Die Anmeldung ist in der Tourist-Information, Tel. 07632/ 799-300 am Wandertag bis 11.30 Uhr erforderlich.

Quelle: Schwarzwald Tourismus

 

Wanderweg Badenweiler-Sehringen ist eröffnet

Der geologisch-bergbaugeschichtliche Rundweg beginnt am neuen Infopavillon in Sehringen.

BADENWEILER-SEHRINGEN. Der geologische und bergbaugeschichtliche Wanderweg Badenweiler-Sehringen ist eröffnet. Start und Ziel des großen Rundwegs, der 5,6 Kilometer lang ist und zu zehn ehemaligen Stollen führt, ist der neue Info-Pavillon an der Sehringer Straße, wo früher das Heim Sankt Georg stand. Gut geschützt unterm Holzdach zeigen Ausstellungsvitrinen und die dekorative Anlage, wie steinreich Badenweiler ist – und dies schon seit der Zeit der Kelten.

Unter dem Fundament der Wasserbecken in der römischen Badeanlage, die 75 nach Christus gebaut wurde, befindet sich ein Basislager aus Gangquarz aus dem Badenweiler Quarzriff. Daraus schließen die Experten, dass der Bergbau bereits in der Keltenzeit begonnen hat. Schriftlich dokumentiert wurde der Blei-, Silber-, Gips- und Eisenerzbergbau rund um Badenweiler erstmals 1028. Im Jahr 1829 waren laut Chronik über 200 Bergleute beschäftigt. Doch 1926 wurde der Bergbau zum Schutz der Thermalquellen eingestellt.

Die Bergbaugeschichte für jeden erlebbar zu machen, war das Ziel der Agendagruppe „Historischer Bergbau“ und des Ortschaftsrates Lipburg-Sehringen. Realisiert wurde das Projekt mit ehrenamtlichen Helfern und Experten. Der von Architekt Siegfried Maler konzipierte Info-Pavillon kostete inklusive der Ausstellungsvitrinen 45 000 Euro, das Wegenetz – mit 31 Schildern an 25 Stationen – weitere 5000 Euro. Der Naturpark Südschwarzwald unterstützt das Projekt mit 19 000 Euro, Irmfried Brendel mit 1000 Euro. Die Hauptlast trägt die Gemeinde Badenweiler. Sie hat das 3356 Quadratmeter große Areal der ehemaligen Klinik St. Georg für einen symbolischen Euro gekauft und das Gebäude vor zwei Jahren für 55 000 Euro abgerissen. Das erhöht die Gesamtkosten auf 105 000 Euro.

Weil Petrus zur Taufe einen Regenguss geschickt hatte, fand die Eröffnung des Wanderweges in der Rehaklinik Hausbaden statt. Sie trägt den Namen der „Zeche Hausbaden“, die von 1612 bis 1873 in Betrieb war. Bürgermeister Karl-Eugen Engler dankte allen Wegbegleitern und betonte, dass jeder Euro für dieses Projekt gut angelegt sei. Auch der Lipburger Ortsvorsteher Leonard Mayer lobte die ehrenamtlichen Helfer: Hans-Dieter Paul für die Bergbaugeschichte, Hansjörg und Karin Becherer für die Mineralien, Hans Hermann Bechinger für die Geologie. Der Ortsvorsteher dankte Philipp Löffler und Volker Dennert (Vorsitzender des Bergmannvereins Buggingen) für Textbeiträge und lobte unter den Bauhofmitarbeitern vor allem Hugo Steinger, aber auch Gerhard und Annemarie Uecker. Das Ehepaar hat die von Albert Schwald gestiftete Lore neben dem Info-Pavillon restauriert.

Projekt mit Modellcharakter steigert Attraktivität der Region

Die drei Eckpfeiler der Geschichte des Heilbades sind laut Hans Hermann Bechinger „Bad, Burg, Bergbau“. Die erste Idee für das Projekt stamme von Leonard Mayer, erinnerte Hans-Dieter Paul. Er lobte den Grafiker Dirk Strahberger und die fundierten Kenntnisse des Landschaftsökologen und Hobbygeologen Hansjörg Becherer. Der Naturpark Südschwarzwald habe das Projekt gerne unterstützt, da es Modellcharakter habe, die Attraktivität der Tourismusregion steigere und letztlich per Ehrenamt umgesetzt worden sei, sagte Naturpark-Geschäftsführer Roland Schöttle.

Entstanden sind die Erzgänge durch die Senkung der Rheinebene – zwischen Schwarzwald und Vogesen sackte der Oberrheingraben im Tertiär um 4000 Meter ab – erläuterte Hansjörg Becherer. Da Quarz extrem hart sei, habe sich als Randverwerfung ein Quarzriff gebildet mit einer 35 Meter breiten Spalte vom Münstertal über Badenweiler bis Schloss Bürgeln. Mächtige Felsblöcke im Pfarrwald markieren den Verlauf des Quarzriffs, dessen Gang durch viele, übereinanderliegende Stollen erschlossen wurde. Von 1798 bis 1817 wurden 376 Kilogramm Silber und 253 Tonnen Blei gewonnen, so Becherer. Bei der Erzwäsche im Mittelalter sei viel pulverisiertes Erz mit dem Waschwasser ausgeschwemmt worden, weshalb am Rand der Rheinebene bis heute ein erhöhter Schwermetallgehalt gemessen werde, so der Experte.

Mit dem Silber aus dem Schwarzwald wurden im 13. Jahrhundert Münzen geprägt wie der „vierzifplige badische Lindwurmpfennig“ und der Freiburger „Rabenpfennig“. Durch Luft, Wasser und Witterung hätten sich inzwischen 64 unterschiedliche Sekundärmineralien herauskristallisiert.

Als 1988 im Hausbaden gebaut wurde, hätten Mineraliensammler ein El Dorado vorgefunden, sagte Hansjörg Becherer. Beim Aussichtspunkt Sophienruhe ist das „Gewann der blauen Steine“ (Fluorit). Die wildromantische Felslandschaft des Quarzriffs zeige sich auch beim „Alten-Mann“ wo das Riff den Blauengranit im Osten vom Keupermergel im Westen trennt. Die wertvollen Funde seien heute nur noch wenige Millimeter groß, der Wanderweg zeuge aber eindringlich von der steinreichen Vergangenheit des Heilbades, sagte Hansjörg Becherer, bevor er jedem Gast einen bleiglanzglitzernden Stein schenkte.

Quelle: Presseartikel Badische Zeitung vom 22. Mai 2012

Titelfoto: Infopavillon an der L132 (Sehringer Straße); Quelle: Webseite Badenweiler

volle Distanz: 4238 m
Maximale Höhe: 607 m
Minimale Höhe: 502 m
Gesamtanstieg: 196 m
Gesamtabstieg: -184 m
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