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Im Ort Sasbach in der Nähe der Stadt Achern entstand beim Kühnerhof in der Oberdorfstraße nach vier Jahren der Restaurierung ein kleines Mühlenidyll. Beim Betreten des Hofraumes mit seinen landwirtschaftlichen Nebengebäuden beeindruckt uns zunächst ein malerisches altes Wohnhaus mit Fachwerkwänden. Es entstand im Jahre 1696 und galt als Haus des Müllers. Hohe Bäume überragen es, so dass mit dem liebevoll gestalteten Tierstall aus Fachwerk ein freundliches und fast märchenhaftes Gesamtbild entsteht.
Das Anwesen ist seit dem Jahre 1878 im Besitz der Familie Kühner, die in früheren Jahren zweimal den Bürgermeister des Ortes stellte. Der heutige Eigentümer ist Rolf Kühner, dem wir die Initiative zur Instandsetzung der Mühlenanlage verdanken.
Hinter dem Wohnhaus war früher der Mühlkanal. Das hier fließende Wasser trieb über oberschlächtige Wasserräder eine Kundenmühle und ein Sägewerk an. Die Mühle mit einer kleinen Werkstatt ist im Bild durch das Wohnhaus verdeckt. Das Sägewerk befindet sich in dem links dargestellten Vorbau und ist im Bild rechts nur zum kleinen Teil erkennbar.
Schon in den 50-er Jahren stellte man den Betrieb der Getreidemühle ein, das Sägewerk wurde im Jahre 1965 stillgelegt.
Auch den Mühlkanal schüttete man in jener Zeit zu. Zum Betrieb der restaurierten Mühle und Säge wurde nun der Kanal in einer Länge von 26,5 m neu hergerichtet und ein künstlicher Wasserumlauf mit einer elektrisch betriebenen Tauchpumpe geschaffen.
Die Getreidemühle
Die Getreidemühle entstand ebenfalls im Jahre 1696. Ihr war zunächst noch eine Bäckerei angegliedert. Zwei grob verschlossene Öffnungen in der Außenwand lassen erkennen, dass bei der Mühle zunächst zwei oberschlächtige Wasserräder vorhanden waren. Nach dem damaligen Stand der Technik trieb jedes dieser Räder über ein Winkelgetriebe einen Mahlgang an. Dabei standen die Mahlgänge mit ihren Mühlsteinen entsprechend der Form der alten deutschen Mühle auf einer Galerie über dem Mühlenboden. Die Abbildung l gibt ihre grundsätzliche Bauweise in Baden-Württemberg wieder. Das zwischen den Steinen der Mahlgänge zerriebene Getreide gelangte jeweils zum zugeordneten Mehlkasten,
der auf dem tiefer gelegenen Mühlenboden stand. Von diesem Boden führte eine Treppe zur Galerie. Das Mahlgut wurde damals mehrfach aufgeschüttet, und die Mahlknechte
mussten es wiederholt mühevoll über die Treppe auf die Galerie tragen und es dort in die Mahltrichter schütten.
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, waren die Kundenmühlen des Schwarzwaldes immer wieder an den neuesten Stand der Technik anzugleichen. Eine solche Erneuerung gab es im Jahre 1864. An die Stelle der zwei Wasserräder mit hölzernen Wellbäumen trat nun ein Wasserrad. Es hatte zunächst einen Wellbaum aus Eiche mit einem Durchmesser von 50 cm, später aber eine Eisenwelle. Über ein Winkelgetriebe übertrug man die Kraft auf das große Flugrad, das liegend angeordnet war. An beliebigen Stellen seiner Peripherie ließen sich über eingreifende Ritzel senkrechte Zapfwellen anordnen und dort die Mahlgänge aufsetzen. In der Regel waren es zwei Mahlgänge in der Nähe der Galeriekante. Bei der Kühnerhofmühle fehlte einer dieser Mahlgänge.
Eine weitere noch vorhandene Zapfwelle trug eine Riemenscheibe mit einem Riemen, der früher einmal zum Gerbgang führte. Mit einem solchen Gerbgang ließ sich Dinkel schälen, der beim Dreschen bekanntlich nicht das blanke Korn liefert. Zwischen den Steinen verblieb hier ein Luftspalt von 5 bis 7 mm, so dass das Dinkelkorn nur angerissen und die Hülle dann abgestreift wurde. Beides ließ sich über einen Luftstrom voneinander trennen. Er riß die leichten Hüllen weit mit sich, während die schweren Kerne kurz hinter dem Windaustritt niederfielen.
Die Chronik des Hofes berichtet von einem weiteren Mahlgang; vermutlich war dieser über die noch vorhandene Seitenwelle angeschlossen.
Von dem Getriebe sind nur noch ein Mahlgang und dahinter der Gerbgang vorhanden. Das vorhandene Wasserrad erstellte man im Jahre 1998 aus Lärchenholz in der im Schwarzwald üblichen Bauweise. Es hat einen Durchmesser von 4,96 m und 2 x 8 seitliche Arme. Die Gesamtbreite beträgt 1,12m und die Anzahl der
Schaufeln 36. Über eine gusseiserne Rosette sind die Arme mit der eisernen Welle verbunden.
Vor kurzer Zeit kam nun einer der fehlenden beiden Mehlkästen und ein Sackaufzug hinzu.
Der Mühle ist noch eine kleine Werkstatt angegliedert. Während des Zweiten Weltkrieges stellte man Teile für die Rüstung her. In den 50-er Jahren entstand hier der Kleintraktor Dieselzwerg nach Plänen des Dipl.-Ing. Julius Berger aus Sasbach. Er sollte ein Pferd oder einen Zugochsen ersetzen. Ein Exemplar dieses Traktors ist noch auf dem Hof zu bestaunen.
Das Sägewerk
Das Sägewerk liegt in Fließrichtung des Wassers hinter der Getreidemühle. Es entstand im Jahre 1833 und hatte Wasserradantrieb und zunächst noch ein hölzernes Einblattgatter. Zum Erhalten größerer Schnittleistungen ersetzte man im Jahre 1921 dieses durch ein Bundgatter mit
gusseisernem Rahmen. Der Hersteller war die Firma Karl Stolzer (Heute
Firma Kasto) aus der nahegelegenen Stadt Achern. Es muss wohl oft an Wasser gefehlt haben, denn im Jahre 1935 ergänzte man die Wasserkraft durch einen
Dieselmotor mit einem liegenden Zylinder der Firma Deutz aus Köln-Mülheim. Zum Anlassen diente Druckluft. Der Motor hatte eine Leistung von rund 18 kW und eine Nenndrehzahl von rund 320 Umdrehungen je Minute. Er wurde über viele Jahre nicht mehr betrieben und der Kolben und andere bewegliche Teile waren festgerostet. Der Motor
musste in rund 150 Arbeitsstunden wieder betriebsfähig gemacht werden.
Im Jahre 1996 war bereits ein neues Wasserrad aus Lärchenholz für die Säge fertiggestellt. Es hat einen Durchmesser
von 4 m, eine Breite über die Wangen von 81 cm, 32 Schaufeln sowie
ebenfalls 2x8 Arme.
Schlussbetrachtung
An der Restaurierung des Mühlen-Ensembles wirkten viele Personen mit. Eine wirksame Hilfe bekam Herr Rolf Kühner von der Gemeinde. Insbesondere setzte sich der recht rührige Bürgermeister Ewald Panther für die Wiederherstellung der Mühlenanlage ein. Bedeutsam war auch die Mitwirkung des nun in Rente befindlichen Zimmermanns Wendelin Zink aus Achern.
Er führte seine Arbeit sehr sorgfältig und vor allem unter strenger Beachtung der damals geltenden Mühlenbauweise aus. Die Finanzierung übernahm zum Teil das
Arbeitsamt. Da ein öffentliches Interesse bestand, ließen sich Mittel für Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen einsetzen. Die noch fehlenden Beträge stellte die Gemeinde bereit. Das Denkmalamt war an der Restaurierung nicht beteiligt.
Zur Einweihung der Anlage kam es am 19. Juli 1998. Bei herrlichem Wetter feierte man zusammen mit Gästen der italienischen Partnergemeinde Mapello ein heiteres Fest, das manchem Teilnehmer in freudiger Erinnerung bleiben wird.
Das kleine Mühlenmuseum lädt jung und alt zur Besichtigung ein. Diese ist nach Vereinbarung mit der Familie Kühner, Oberdorfstr. 55, 77880 Sasbach, Tel. 07841/3558, möglich.
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