Mit den Juniorrangern über den Lotharpfad

12. Mai 2013

Ein Novum beim Schwarzwaldverein Sasbach/Obersasbach: Erstmals führten zwei Kinder eine naturkundliche Wanderung.

Collage_Lotharpfad

Alles begann am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999, als das Sturmtief „Lothar“ mit einer Geschwindigkeit von über 200 km/h über den Nordschwarzwald fegte, u.a. auch im  Grindengebiet an der badisch-württembergischen Grenze.

Genau dort führten die beiden Juniorranger Isabel und Paula Benz eine elfköpfige Wandergruppe über die Sturmwurffläche des Lotharpfads nördlich vom Schliffkopf an der Schwarzwaldhochstraße.

An mehreren Wegstationen erklärten die 11 und 8 Jahre jungen Nachwuchsforscher die natürliche Entwicklung einer durch eine Naturgewalt binnen 2 Stunden zerstörten Waldfläche. Das  vom Naturschutzzentrum Ruhestein und Kreisforstamt Freudenstadt initiierte „Forschungsobjekt Lotharpfad“ bietet die Möglichkeit zu beobachten, wie sich die Natur ohne Eingriffe des Menschen entwickelt.

Eingangs erklären die Expertinnen an einem der vielen aufragenden Wurzelteller, dass v.a. die flachwurzelnden Fichten zu wenig Halt auf dem flachgründigen Boden haben, um einem Sturm trotzen zu können. Aufgrund dessen wurden zahlreiche Fichten „im Ganzen“ umgeworfen. Aber davon, dass es den stabiler verankerten Tannen aber auch nicht viel besser erging,  zeugen zahlreiche, stehengebliebene Stämme. Die Tannen wurden wegen ihres weichen Holzes durch die beim Sturm auftretenden Torsionskräfte einfach abgedreht. Und dann ragen da vereinzelt Buchen aus der Fläche heraus, aber auch die sehen nach Einschätzung nicht nur der Jungranger nicht mehr ganz so gut aus – der Grund scheint ganz menschlich: der schattenliebende Laubbaum hat Sonnenbrand.

Nach diesen ersten, bitteren Eindrücken wurde doch schon bald die Kraft der Natur, wenn auch nur in kleinen Schritten, deutlich spürbar. Zwischen all dem Chaos spriest hier und da und dort das zarte Grün derjenigen Pionierpflanzen, die den gelichteten Standort nicht im aber nach dem Sturm erobern. Welche neue Pflanzen erkennt ihr, werden wir gefragt. Es sind v.a. die Eberesche und die Weißbirke. Und im Schutze des Totholzschattens wächst sogar eine umgestürzte kleine Buche, mit ihrem Wurzelwerk noch etwas mit dem Boden verankert, wieder nach oben.

In dem ganzen Durcheinander abgestorbener Bäume offenbart sich also – auch sichtbar – neues Leben. Doch ganz so tot, wie die umgestürzten Bäume auf den schnellen Blick erscheinen, ist die Sturmwurffläche nicht. Denn gerade das Totholz, egal ob stehend oder liegend, bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen neuen und schützenswerten Lebensraum mit dem Prädikat: Ökologisch wertvoll. Dass es hier auch Schlangen gibt haben uns die Nachwuchsranger in einem mitgebrachten Bildband gezeigt. Wie gut, dass Ringelnatter & Co so scheu sind.

Bald schon ging diese kurzweilige, weil hochinteressante Führung dem Ende entgegen. Die beiden jungen Naturführer haben den Teilnehmern der Wanderung die Entwicklung einer sich selbst überlassenen Sturmfläche didaktisch sehr anschaulich vermittelt und dem Ungeübten auch die Augen für die Schützenswürdigkeit der Natur geöffnet.

Stefan Kunner