Inspektion durch Romeo Sauer, Dipl-Ing. (FH)

Zustandsbeschreibung, 24. August 1999

Der Turm ist auf der Ost- und Nordseite sanierungsbedürftig. Damit der Turm als Aussichtsplattform genutzt werden kann, soll auf der Südseite eine Wendeltreppe aus verzinktem Stahl angebracht werden, DN 1800 mm. Außerdem muss das Geländer erneuert bzw. entsprechend erhöht werden.

Schadensbericht, 3. November 1999

  1. Der Turm weist auf der Ost- und Westseite starke Risse im Mauerwerk auf. An der Nord-West-Ecke ist das Turmmauerwerk, bedingt durch herabfallende Steine, instabil.
  2. Auf der Ostseite besteht im Bereich der vorhandenen Öffnung Einsturtzgefahr für das Mauerwerk.
  3. Die Fugen des Mauerwerks sind im gesamten Turmbereich teilweise ohne Mörtel bzw. der Mörtel ist lose.
  4. Das Geländer auf der Plattform ist im Bereich der Verankerung lose, der Stahl ist stark angerostet.
  5. Die Decke bzw. der Fußboden der Plattform weist weite Risse auf, durch die das Regenwasser eindringen könnte. Die Ränder sind teilweise ausgebrochen.
  6. Der Blitzschutz ist im derzeitigen Zustand nicht funktionsfähig.

Restaurierungsvorschlag, 3. November 1999

  1. Das Turmmauerwerk ist vor Beginn der Arbeiten gegen Auseinanderfallen zu sichern. Es werden senkrechte Kanthölzer und waagrechte Bandagen aus Brettern angebracht.
  2. Hier muß das lose Mauerwerk aus Sandsteinen entfernt und mit den alten Sandsteinen wieder neu aufgemauert werden. Die Mauerwerksverbände sind wieder herzustellen.
  3. Die gesamten Mauerwerksfugen sind auszukratzen und mit neuem wetterbeständigen Mörtel auszufugen.
  4. Das Geländer muß an den Haltepunkten neu vermörtelt werden, das Geländer wird entrostet und neu gestrichen.
  5. Die Risse in der Decke werden mit Mörtel verpreßt, die Ränder werden ausgebessert.
  6. Der Blitzschutz wird entsprechend der VDE wieder hergestellt, das Geländer wird angeschlossen.

Bericht vom Sommer 2001

Die Sanierungsarbeiten am „Bismarckturm“ auf der Hornisgrinde durch den Schwarzwaldverein Sasbach/Obersasbach haben begonnen. Der Sasbacher Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig der vorgelegten Nutzungsvereinbarung zugestimmt, die zwischen den Gemeinden Sasbach und Sasbachwalden sowie dem Schwarzwaldverein, Ortsgruppe Sasbach/Obersasbach, geschlossen wird. Beschlossen wurde von den Gemeinderäten auch, dass die Gemeinde Sasbach die Sanierungsarbeiten des Schwarzwaldvereins in einer Größenordnung von bis zu 10.000 Mark unterstützt.

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Der „Bismarckturm“ steht am höchsten Punkt der Hornisgrinde auf der gemeinsamen Grenze der Gemeinden Sasbach/Obersasbach und Sasbachwalden, er wurde 1844 errichtet. Bei dem „historischen trigonometrischen Turm“ handele es sich um ein Objekt, das keine Nutzung mehr habe, da er nicht mehr zu Vermessungszwecken diene, so der Wortlaut der Vereinbarung. „Der Turm markiert jedoch in spektakulärer Weise die Anfänge der Landesvermessung im Großherzogtum Baden“ und soll von daher aus Gründen der Denkmalpflege auch erhalten bleiben.

Wie Ortsvorsteher Albert Doll berichtete, habe sich der Schwarzwaldverein Sasbach/Obersasbach mit Unterstützung des Bezirks „Hornisgrinde“ bereit erklärt, die Sanierung des einst begehbaren Turmes zu übernehmen. Das Denkmalamt habe einen Zuschuss von 50 Prozent zu den reinen Sanierungskosten zugesagt, die mit rund 25.000 Mark veranschlagt seien. Die Herstellung und Anbringung einer Wendeltreppe werde ebenfalls mit 25.000 Mark zu Buche schlagen.

Finanziert werde die Maßnahme über den Zuschuss des Denkmalamtes, einen Eigenanteil des Schwarzwaldvereins Sasbach-Obersasbach in Höhe von 10.000 Mark, einem Zuschuss des Hauptvereins Schwarzwaldverein von 5.000 Mark und Spenden in Höhe von 2.500 Mark.

Für die Gemeinden Sasbach und Sasbachwalden würde demnach ein Zuschussbedarf von jeweils 10.000 Mark bestehen. Wie Albert Doll weiter feststellte, soll der Turm wieder begehbar gemacht werden und für touristische Zwecke genutzt werden. Vorgesehen sei, eine „schlanke Wendeltreppe“ am „Bismarckturm“ anzubringen, um Besuchern die Möglichkeit des Aufstiegs und einer schönen Aussicht zu eröffnen. Eine Wendeltreppe sei hierzu die praktikabelste und sinnvollste Lösung, zumal die einstige Treppe schräg zum Turm hinauf führte und so nicht mehr gebaut werden kann.

In der Nutzungsvereinbarung wird festgelegt, dass die Gemeinden Sasbach und Sasbachwalden dem Schwarzwaldverein Ortsgruppe Sasbach/Obersasbach die „Nutzung des Turms für Aussichtszwecke und zur Bestandserhaltung“ für die Dauer von zehn Jahren übertragen wird. „Die Nutzungsübertragung ist unentgeltlich“. Der Vertrag verlängert sich jeweils um fünf Jahre, wenn er nicht sechs Monate vor Ablauf des Vertrages von einer Seite gekündigt wurde. Die laufenden Kosten trägt der Ortsverein. „Die Gemeinden Sasbach und Sasbachwalden erklären sich bereit, sich bei Investitionen und grundlegenden Sanierungen an den Kosten zu beteiligen“, heißt es in dem Vertrag weiter.

Redaktionelle Ergänzung 2012

  • Tatsächliche Sanierungskosten: 47.625 DM

Zuschüsse:

  • Gemeinde Sasbach: 10.000 DM
  • Gemeinde Sasbachwalden: 10.000 DM
  • Denkmalamt RP Freiburg: 11.500 DM
  • Spendenaktion und Beitrag Ortsgruppe Sasbach: 16.125 DM

Summe:  47.625 DM

Nachträgliche Kosten:

  • Behebung Vandalismusschäden: 845 DM
  • Anbringen der Panorama-Infotafeln:  3.000 €

Ortstermin mit dem Amt für Denkmalpflege

Es passt ins Bild des sehr regen Vereinslebens beim Schwarzwaldverein Sasbach/Obersasbach, dass trotz des bevorstehenden Jubiläumswochenendes auch andere Aufgaben nicht vernachlässigt werden. Unter die Sparte „Heimatpflege“ einzuordnen ist dabei die Maßnahme, die der Nachwelt nicht nur ein altes Bauwerk erhält, sondern auch zugänglich macht.

Am Donnerstagabend war der Bismarckturm auf der Hornisgrinde das Ziel einer vielköpfigen Delegation: Neben dem nahezu komplett vertretenen Vorstand des Sasbacher Schwarzwaldvereins konnte die Vorsitzende Gisela Höß ihren Ottenhöfener Kollegen Walter Steimle begrüßen, ferner auch Obersasbachs Ortsvorsteher Albert Doll, Architekt Romeo Sauer sowie Dr. Hansjakob Wörner vom Freiburger Denkmalschutzamt und den Bezirksvorsitzenden Klaus Mohr. Als „Mann vom Fach“ schilderte Walter Steimle, welche Arbeiten bislang zur Turmerhaltung vorgenommen wurden.

Dann ging es zur Augenscheinnahme rund um den komplett eingerüsteten Turm, der, so Steimle, ehemals trockengemauert errichtet und erst später ausgefugt wurde. Festgestellt habe man bei den Bauarbeiten, dass es sich um ein 80 Zentimeter starkes Mauerwerk handle, in derselben Stärke seien nun auch die Lücken im Mauerwerk geschlossen worden. Der Turm sei nun wieder stabil, auch Stahl sei mit eingebracht worden, so dass es an der Standfestigkeit nicht fehle.

Eigentümer des Turmes ist die Gemeinde Sasbach, auf deren Flurstück-Nummer 1455/4 der ehemaligen Gemeinde Obersasbach der Turmbau steht; hier stoßen die Ortsgrenzen mit der Nachbar- gemeinde Sasbachwalden zusammen. Dr. Wörner schilderte das Bauwerk aus seiner Sicht: es handle sich hier nicht nur um einen einfachen Turm, sondern um ein wertvolles Kulturdenkmal, das ein Zeit- dokument aus den Anfängen der Landesvermessung darstelle. Auf dem höchsten Punkt des Homisgrinderückens gelegen, war dieses Bauwerk, errichtet aus Bruch- und Quadersteinen, einer der wichtigsten Eckpunkte des Landesvermessungsamtes; heute dokumentiere der Turm, mit welcher Sorgfalt vor mehr als 150 Jahren darangegangen wurde, das Land zu vermessen. Ausgesucht hat sich diesen hochgelegenen Standort das „Großherzogtum Baden“, zahlreiche Schriftdokumente aus der Zeit um 1840 sind erhalten geblieben. Darunter auch der Hinweis, dass hier auch der exakte trigonometrische Punkt angebracht ist, von dem aus weiter in alle Himmelsrichtungen vermessen wurde. Das dem Verfall nahegekommene Turmbauwerk wird längst nicht mehr für Vermessungszwecke genützt, so Dr. Wörner, der dankbar feststellte, dass dieses Dokument nun der Nachwelt erhalten bleibe. Er stellte ferner fest, dass „da Fachleute am Werk“ gewesen seien, die eine vorzügliche Arbeit geleistet hätten – ein Lob, das vor allem an die Adresse von Architekt Romeo Sauer sowie an die Baufachleute ging.

Während der Grund der Errichtung des Turmes, der irgendwann einmal den Namen „Bismarckturm“ erhielt, völlig klar ist, darf um einige angebrachte Vertiefungen im Mauerwerk, die so belassen wurden, weiter gerätselt werden. Unklar auch der eingemeißelte Name „Kiefer“- vielleicht handelt es sich hier um einen damals beteiligten Steinhauer. Während man den Zeitpunkt des Turmbaues auf Grund der überlieferten Schriftstücke auf das Jahr 1840 festlegen kann, erfolgte eine gravierende Veränderung ein halbes Jahrhundert später. Dem Schwarzwaldverein Achern ist es zu verdanken, dass der Vermessungsturm zugleich auch ein Aussichtsturm wurde, denn um 1892 wurde eine Treppe, wie aus alten Fotografien ersichtlich ist, angebracht. Es gelte, so erwähnte Dr. Wörner, nun eine gemeinsame Lösung zu finden, um den Turm nun auch wie ehemals wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Allerdings nicht mehr in der früheren Art und Weise, denn eine derart ausladende Treppe wolle man nicht mehr anbringen. Um das Erscheinungsbild des Turmes so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, gebe es eigentlich nur zwei Alternativen, nämlich eine Wendeltreppe oder eine Podesttreppe. Dieser Meinung war man bereits bei den „Bauherren“, die bereits mit Fachfirmen übereingekommen waren, dass eine Wendeltreppe wohl die beste Lösung sei.

Dann ging man auch näher ins Detail: Ins Auge gefasst wurden einige Sicherheitsvorschriften. Bedacht werden auch die Maßnahmen, die den Blitzschutz betreffen. Nicht mehr den heutigen Sicherheitsanforderungen entspricht das alte Geländer auf der Plattform des Turmes – es ist zum einen zu niedrig und zum anderen auch zu „durchlässig“. Die Experten kamen überein, das Geländer beizubehalten und auf die Mindesthöhe von einem Meter anzuheben, die „Durchlässigkeit“ soll durch das Anbringen von Plexiglas verhindert werden. Auch mit dieser Lösung zeigte sich Dr. Wörner einverstanden.

Während sich die Außenstelle des Freiburger Denkmalamtes an den Kosten in Form eines Zuschusses von über 12 000 Mark beteiligt, ist dies bei den Kosten für die Treppenanbringung nicht der Fall. Hier darf der Schwarzwaldverein dafür auf die Unterstützung der Gemeinden Sasbach und Sasbachwalden rechnen, die eine solche durch die beiden Bürgermeister Panther und Doll vor einiger Zeit grundsätzlich signalisiert hatten.

Freude über diese Baumaßnahme äußerte auch der Bezirksvorsitzende Mohr. Nun werden Ausschreibungen vorgenommen, um von den Fachfirmen Angebote für die Treppenanbringung zu erhalten. Auch einige Steinmetzarbeiten an der Plattform sind noch vorzunehmen.

Sind die Bauarbeiten erst einmal abgeschlossen, will man dieses Ergebnis im Rahmen einer kleinen Feier würdigen. Über den etwa sieben Meter hohen Signalturm soll eventuell auch eine Schautafel angebracht werden, die dessen Geschichte den Besuchern der höchsten Erhebung des nördlich Schwarzwaldes näher bringt.

Sanierungsarbeiten (Juni bis Oktober 2001)

Die Sanierungsarbeiten inkl. der Montage der Wendeltreppe wurde zwischen Juni und Oktober 2001 durchgeführt.

Konstruktionsdaten Spindeltreppe

Außendurchmesser 1,80 m
Gesamthöhe 7,00 m
Anzahl Stufen 33
Tritthöhe 206 mm
Auftrittsbreite 234 mm (ohne Unterschnitt, im Gehlinienabstand von 600 mm  von der Spindelmitte)
Spindel Rundrohr, Durchmesser 140 mm  mit Stift im Fundament verankert  Deckel mit Zinkablaufloch zugleich Kondensatablauf  oben offen mit Flanschrand zur Befestigung am Podest
Stufen Blech, 5 mm  konisch zulaufend vom Außenrand zur Spindel an Spindel verschweißt Auftrittfläche mit Lochmuster versetzt (Rundlöcher, Durchmesser 15 mm)  Abstände Lochung untereinander 40 mm Löcher nach oben ausgedrückt als Rutschhemmung
Geländer Stabgeländer mit senkrechten Füllstäben aus Vollmaterial (12 mm)  Stababstand 110 mm  Handlauf aus Rundmaterial (Durchmesser 24 mm)
Podest rechteckig Breite 900 mm  Tiefe 1.000 mm  mit Bauwerk verdübelt  mit beidseitigen Geländern

Wendeltreppe technische Zeichnung

Treppe an 2 Punkten, über die Stufen, mit Distanzhaltern am Massivbauwerk zusätzlich verankert. Die gesamte verzinkte Konstruktion ist mit einem Dickschichtlack für feuerverzinkte Oberflächen im  Farbton Graualuminium-Eisenglimmer beschichtet.

Arbeitskräfte

Die Sanierungsarbeiten wurden federführend von der Ortsgruppe Sasbach/Obersasbach unter der Bauleitung von Josef Kurz durchgeführt. Die Arbeiten wurden von der Ortsgruppe Ottenhöfen unterstützt. Insgesamt wurden 686 Arbeitsstunden investiert.

Ortsgruppe Sasbach/Obersasbach

Josef Kurz 213 Stunden
Alois Wilhelm 175 Stunden
Siegfried Lang 58 Stunden
Ernst Weh 45 Stunden
Franz Kurz 18 Stunden
Heinz Ruschmann 16 Stunden
Manfred Schell 8 Stunden
Alois Müller 7 Stunden
Andres Kurz 6 Stunden
Alfons Striebel 4 Stunden
Albert Bohnert 1 Stunde
Summe 551 Stunden

 Ortsgruppe Ottenhöfen

Walter Steimle 54 Stunden
Wilibald Käshammer 39 Stunden
Bernd Vogt 22 Stunden
Reinhold Geisert 5,5 Stunden
Winfried Lehnerer 5,5 Stunden
Dieter Oster 4,5 Stunden
Günter Decker 4,5 Stunden
Summe 135 Stunden
 Gesamt
686 Stunden

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